Finn und der singende Bach

Es war ein warmer Sommerabend im Wald, und die Sonne tauchte die Baumwipfel in goldenes Licht. Der kleine Fuchs Finn saß vor seinem Bau und lauschte den Geräuschen der Dämmerung, als ihm etwas Merkwürdiges auffiel: Aus Richtung des kleinen Baches am Waldrand klang es, als würde jemand ganz leise singen.

„Mama, hörst du das auch?“, fragte Finn aufgeregt. Mama Fuchs lächelte. „Das ist der Bach, mein Kleiner. Wenn das Wasser über die Steine fließt, macht es die schönste Musik des Waldes.“

Finn konnte es kaum glauben. Ein singender Bach? Das musste er sich genauer ansehen. Vorsichtig tapste er durch das hohe Gras, bis er am Ufer stand. Tatsächlich: Das klare Wasser plätscherte über glatte, runde Steine und erzeugte dabei ein sanftes Gluckern, das sich anhörte wie eine leise Melodie.

Neben dem Bach saß bereits jemand anderes und lauschte: die kleine Eule Lena, die auf einem tief hängenden Ast Platz genommen hatte. „Schön, oder?“, flüsterte sie. „Ich komme jeden Abend hierher, bevor ich schlafen gehe. Der Bach singt mich fast in den Schlaf.“

Finn setzte sich neben einen bemoosten Stein und schloss die Augen. Das Plätschern wurde immer leiser, immer sanfter, je länger er zuhörte. Er spürte, wie seine Pfoten schwer wurden und ein wohliges Gähnen durch seinen Körper zog.

„Weißt du“, sagte Lena leise, „manchmal muss man einfach still werden, um die schönsten Dinge zu hören.“

Finn nickte schläfrig. Als die ersten Sterne am Himmel erschienen, machte er sich auf den Heimweg zu seinem Bau. Das Lied des Baches begleitete ihn noch lange, und in dieser Nacht schlief der kleine Fuchs schneller ein als je zuvor – mit einem Lächeln im Gesicht und der Melodie des Wassers im Ohr.

Und immer, wenn Finn seitdem nicht einschlafen konnte, dachte er an den singenden Bach – und schon wurden seine Augen schwer.

Ende.

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